Ausstellung · 12. September bis 31. Oktober 2026
EigenSINN.
Über Selbstbehauptung, Fürsorge und gesellschaftliche Zuschreibungen
Über die Ausstellung
Wer sind wir – und wer sollen wir sein?
Die Ausstellung EigenSINN versammelt sieben künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Identität, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Zuschreibungen auseinandersetzen.
Im Mittelpunkt stehen Frauenfiguren, Körper und Porträts – jedoch nicht als klassische Abbilder einzelner Personen. Vielmehr werden sie zu Projektionsflächen für Erinnerungen, Erfahrungen, Erwartungen und Fragen nach Sichtbarkeit.
Die Arbeiten untersuchen, wie die eigene Identität zwischen persönlichem Erleben und gesellschaftlichen Rollenbildern entsteht. Sie erzählen von Selbstbehauptung und Fürsorge, von Verletzlichkeit und Widerstand, von Nähe und Distanz, ohne diese Gegensätze auflösen zu wollen.
Malerei, Skulptur, Aquarell, Collage, Mixed Media und experimentelle Bildverfahren eröffnen unterschiedliche Zugänge zu weiblichen Lebensrealitäten, feministischen Perspektiven, Körper, Erinnerung und dem Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen.
Sieben künstlerische Positionen
Künstlerinnen
Alexandra Liakhavets · Checked
Alexandra Liakhavets
Gouache · Mixed Media · Porträt
Alexandra Liakhavets entwickelt abstrahierte Porträts, in denen menschliche Figuren mit Kreisen, Kuben und anderen geometrischen Formen zusammentreffen. Kleidung, Farbe und Muster werden dabei zu eigenständigen Ausdrucksmitteln.
Ihre Bildsprache ist durch ihre Ausbildung im Mode- und Textildesign in Belarus ebenso geprägt wie durch ihre heutige westeuropäische Lebens- und Arbeitsperspektive. Mit feiner Ironie untersucht sie gesellschaftliche Hierarchien, Machtverhältnisse, mentale Gesundheit und soziale Beziehungen im Alltag.
Ihre vollständig analog entstehenden Arbeiten verstehen sich zugleich als Gegenbewegung zu permanenter digitaler Verfügbarkeit: als Räume für Langsamkeit, Aufmerksamkeit und gegenwärtiges Erleben.
Daniela Schönemann · Arbeit aus der Werkgruppe Wild
Daniela Schönemann
Figurative Bildhauerei · Holz
Daniela Schönemann schafft aus Holz figürliche Skulpturen, die sich eindeutigen Körperbildern entziehen. Ihre Figuren treten selbstbewusst und verletzlich zugleich in Erscheinung und behaupten ihre Körper jenseits normierter Vorstellungen.
In ihrer bildhauerischen Arbeit beschäftigt sich Schönemann mit dem Verhältnis von Mensch, Natur und Landschaft. Die sichtbaren Spuren des Materials bleiben Teil der Figuren und verbinden Körperlichkeit mit Fragen nach Herkunft, Wandel und Zugehörigkeit.
Elfi Nitze · Eine Nr. 13
Elfi Nitze
Aquarell · Collage · Mixed Media
Elfi Nitze verbindet Frauenkörper, Aquarell, Collage und gefundene Bildelemente zu organischen Bildwelten, die zwischen Figuration und Abstraktion schweben.
Weiblichkeit erscheint in ihren Arbeiten nicht als feststehende Form, sondern als wandelbarer Zustand. Überlagerungen, Auflösungen und neue Verbindungen machen Veränderung, Schaffung und Dekonstruktion unmittelbar sichtbar.
Die Körper ihrer Arbeiten sind zugleich verletzlich, sinnlich und widerständig. Sie widersetzen sich einer abschließenden Lesart und bleiben in fortwährender Bewegung.
Heidekatrin Wittler · Kassandra
Heidekatrin Wittler
Acryl · Mixed Media · Großformatige Malerei
Heidekatrin Wittler entwickelt großformatige, farbintensive Porträts, in denen weibliche Figuren im urbanen Raum in den Mittelpunkt rücken.
Kräftige Farben, fragmentierte Bildräume und die körperliche Präsenz der Figuren verhandeln die Auswirkungen gesellschaftlicher und ökologischer Veränderungen auf individuelle Lebensrealitäten.
Die dargestellten Frauen erscheinen weder als unberührbare Heldinnen noch als passive Betrachtete. Verletzlichkeit und Selbstbehauptung stehen in Wittlers Arbeiten gleichzeitig nebeneinander und werden zu sichtbaren Spuren äußerer wie innerer Umbrüche.
Katrin Lazaruk · Urban Headscarf
Katrin Lazaruk
Videoband · Porträt · Materialkunst
Katrin Lazaruk verwendet Videoband als zeichnerisches und bildnerisches Material. Aus einem Medium, das ursprünglich der Speicherung bewegter Bilder und persönlicher Erinnerungen diente, entstehen prägnante Porträts mit unverwechselbaren Oberflächen.
Das analoge Band wird geschnitten, angeordnet und mit Farbe, Muster und grafischen Elementen verbunden. Erinnerung und Gegenwart, gespeichertes Bild und neu geschaffene Identität überlagern sich.
Ihre Arbeiten fragen danach, wie Bilder von Menschen entstehen, welche Geschichten in Materialien eingeschrieben bleiben und wie sich ein Porträt zwischen persönlicher Erinnerung und gesellschaftlicher Wahrnehmung behauptet.
Meli Kuhn · In einem fernen Land
Meli Kuhn
Ölmalerei · Porträt
Meli Kuhn richtet den Blick auf das Innenleben ihrer Figuren. Ihre Porträts erzählen weniger von äußerer Ähnlichkeit als von jenen Momenten, in denen sich Haltung, Erinnerung und Empfindung im Gesicht und im Körper einschreiben.
Die Betrachtenden erhalten einen flüchtigen Einblick in persönliche Augenblicke – beinahe so, als würden sie durch ein Schlüsselloch schauen. Die Figuren bleiben dabei zugleich nah und unzugänglich.
Farbe und malerische Geste lösen die Porträts aus einer rein beschreibenden Darstellung und öffnen sie für Projektionen, Fragen und unterschiedliche Lesarten.
Sarí Prieto · Mascha
Sarí Prieto
Zeichnung · Collage · Digital Enhanced Artwork
Sarí Prieto nimmt persönliche Begegnungen, Erinnerungen und gesellschaftliche Beobachtungen zum Ausgangspunkt ihrer Arbeiten. Porträts werden zu Trägern von Geschichten, deren vollständige Zusammenhänge sich dem eigenen Blick entziehen.
In der Arbeit Für eine Unbekannte setzt sie sich mit einer Begegnung auseinander, die Fragen nach Verantwortung, Übergriffigkeit und den Grenzen des eigenen Wissens aufwirft. Das Bild reflektiert zugleich den Versuch, sich ein Bild von einem anderen Menschen zu machen – und die dabei wirksamen Vermutungen und Klischees.
Weitere Arbeiten führen Erinnerungen, künstlerische Vorbilder und persönliche Wendepunkte zusammen. Prietos vielschichtige Bildverfahren erzählen von Mitgefühl, Würde, Privilegien und der Verantwortung, die mit dem eigenen Blick verbunden ist.
EigenSINN
Die Arbeiten geben keine eindeutigen Antworten. Sie widersprechen Erwartungen, öffnen neue Perspektiven und lassen unterschiedliche Erfahrungen nebeneinander bestehen.
Ausstellung erleben
Begleitprogramm
Das Begleitprogramm erweitert die Ausstellung um offene Begegnungsformate und zwei künstlerische Workshops. Im Mittelpunkt stehen der Austausch über Kunst, das gemeinsame Gestalten sowie unterschiedliche Zugänge zu Porträt, Wahrnehmung und persönlichem Ausdruck.
19. und 20. September 2026
11–18 Uhr
Offene Ateliers Sachsen-Anhalt
Malerei, Grafik, Fotografie und Skulptur
Im Rahmen der Offenen Ateliers Sachsen-Anhalt öffnet der Galerieladen an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr seine Türen. Die Ausstellung EigenSINN kann besucht und im Gespräch gemeinsam entdeckt werden.
Neben der Gemeinschaftsausstellung erwarten die Besucher:innen der Kunstautomat, Gespräche über die ausgestellten Arbeiten sowie niedrigschwellige DIY-Angebote zum eigenen kreativen Ausprobieren.
27. September 2026
13–18 Uhr
Farbe trifft Persönlichkeit
Künstlerische Porträts mit Gouache
Wie kann ein Porträt mehr erzählen als bloße Ähnlichkeit? Gemeinsam mit der Künstlerin Alexandra Liakhavets entwickeln die Teilnehmenden expressive Porträts, in denen Farben, Formen und Muster zu einem individuellen Bildausdruck verschmelzen.
4. Oktober 2026
13–18 Uhr
Du & Ich
Porträtmalerei auf Leinwand
Ausgehend von der Ausstellung entstehen auf Leinwand persönliche Porträts. Im Mittelpunkt stehen Wahrnehmung, Begegnung und der eigene malerische Ausdruck – unabhängig von zeichnerischen Vorkenntnissen.
Ausstellungsbesuch
EigenSINN im Galerieladen
Der Eintritt zur Ausstellung und zur Vernissage ist frei. Die ausgestellten Werke können während der Ausstellung im Galerieladen erworben werden.
Ausstellung
12. September bis
31. Oktober 2026
Vernissage
Freitag, 11. September 2026
18 Uhr
Adresse
Der Galerieladen
Schönebecker Straße 116
39104 Magdeburg-Buckau
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag
14–18 Uhr
und nach Vereinbarung
Fragen zur Ausstellung, zu den Workshops oder zu einzelnen Werken: post@dergalerieladen.de
